Kosmos Theater

Sag zum Abschied leise „Ach!“


von Theresa Luise Gindlstrasser

Heute Abend, 20:00 Uhr, macht Bernadette La Hengst „SAVE THE WORLD WITH THIS MELODY“. Dieses wird der letzte Streich. Letzter Streich im Rahmen des vierwöchigen Festivals Love Me Gender. Letzter Streich aber auch für mich als Bloggerin und also Alles-Seherin und dann hier Schreiberin. Für diesen letzten Streich habe ich die Musikerin und Theaterregisseurin Bernadette La Hengst zum Interview per Mail gebeten.

Was heißt das: „Die Welt retten“? Und was heißt sie mit einer Melodie zu retten?

Bernadette La Hengst: Ich möchte dafür gerne den Futur Zwei von http://futurzwei.org benutzen: In 10 Jahren werde ich die Welt mit einer Melodie gerettet haben.
Indem ich eine Utopie singbar mache, hole ich die Utopie aus den Sternen ins Hier und Jetzt und bringe sie der Realität ein Stück näher. Ich gründe ja oft Chöre aus Laien und Laiinnen (Achtung! Neue Wortschöpfung!), die normalerweise nicht auf einer Bühne stehen, mit denen ich gemeinsam Texte schreibe über verschiedenste politische und soziale Themen, es geht für mich immer um Selbstermächtigung, und dafür ist gemeinsames Singen ein super Vehikel...
Ich weiß nicht, ob ich mit einer Melodie die Welt vor Donald Trump retten kann oder vor der IS oder vor der Smartphonisierung, aber ich muss es weiterhin versuchen, damit meine Stimme und damit stellvertretend viele andere Stimmen gehört werden. Es geht in einer modernen lebendigen und offenen Gesellschaft um Vielfalt und Sichtbarkeit/Hörbarkeit von verschiedensten Lebensentwürfen.

Es gibt vieles zu tun. Was alles? Und was als erstes? Oder alles zusammen?

BLH: Ja, am besten alles zusammen. Am schlimmsten ist das Nichts tun, zu Hause sitzen, Zeitung oder Internet lesen, alle Facebook Posts liken und verzweifeln über die Kriege und totalitären Regierungen. Das einzige was hilft, ist aufstehen und mit Menschen kommunizieren, raus aus der Komfort-Zone, rein in die Welt. Allerdings ist das Bett und das Zu Haus auch ein sehr wichtiger Ort, und das Nichts tun eins der schönsten und wichtigsten Dinge in meinem Leben, um dem stetig geschäftigen Treiben in der neoliberalen Selbstkontrolle ein Schnippchen zu schlagen...

Ist „Subversion durch Schönheit“ (Zitat von BLH) wahrscheinlich die knackigste Parole von überhaupt jemals?

BLH: Ja, wenn du meinst... Es wurde allerdings schon falsch verstanden. Schönheit ist ja eigentlich eine subjektive Angelegenheit, in einem meiner neuesten Songs schrieb ich „Beauty is never straight, that’s why I’m always late.“ Die Schönheitsideale werden durch Werbung in den Medien immer wieder gleichgeschaltet, es gilt, dem etwas entgegen zu setzen. Was ich mit Subversion durch Schönheit meine, ist, dass ein politischer Diskurs auch in einem leichten Popgewand daher tanzen kann, es gibt verschiedene Wege, in die Herzen und Köpfe der Menschen zu gelangen.

Was kann Musik, was Theater nicht kann? Oder ist das eine falsche Frage?

BLH: Musik ohne Theater kann im besten Falle Leute durch Tanzen in geistige Bewegung versetzen. Auf jeden Fall kann es zum begeisterten Kopfnicken und damit Einverständnis anleiten. Pop erreicht selten andere Szenen, es ist meistens ein preaching to the converted. Musik kann zufällig passieren, es kann Fehler zu Kunstgriffen machen, es kann ohne lange Proben ziemlich viel Stimmung erzeugen.

Und was kann dann Theater?

BLH: Theater kann andere Menschen erreichen, es kann marginalisierte Gruppen auf die Bühne bringen, es kann zum Denken anregen ohne zu tanzen. Man kann mehr Text unterbringen, die Leute sind aufmerksamer weil der Theaterabend schon um 20 Uhr anfängt, und man dort keinen Alkohol trinken darf. Theater im Sitzen finde ich meistens blöd, rumlaufen regt zur Auseinandersetzung an, mitsingen auch. Theater kann Freundschaften hervorbringen, weil man mehrere Wochen/Monate miteinander an einem Thema arbeitet. Theater kann gesellschaftliche Zustände abbilden, es kann verändern, wenn das Theater es will.

Wie klingt das: „Love Me Gender“? Ihr könnt mich allemal gern haben? Immer dieses „Theater mit dem Gender“ (aka KosmosTheater Wien)?

BLH: Ich finds einen schönen Titel, außerdem war ich immer Elvis Fan....



o. A.