Kosmos Theater

Dicke Hose


von Theresa Luise Gindlstrasser

Dicke Hose

Heute wars ein Film. Und zwar der Dokumentarfilm „Man for a Day“ von Katharina Peters. Darin dokumentiert ist ein Workshop von Diane Torr. Die hat 1989 und damals in New York angefangen Drag King Workshops zu veranstalten. Um eben für Frauen die Möglichkeit zu bieten „Man for a Day“ zu sein. Beim anschließenden Publikumsgespräch konnte die Künstlerin und Autorin Torr, die derzeit wieder in Glasgow lebt, leider nicht anwesend sein. Dafür aber stand Peters Rede und Antwort.

Entstanden 2012 in Berlin, zeigt der Film eine gecastete Workshop Gruppe. Gibt also nicht unbedingt das übliche Klientel von Torr wieder, sondern bemüht sich ein ausgewogenes Bild von Neugierde und Interesse zeigen zu können. Einigen dieser Frauen folgt der Film intensiver, von Beginn des Workshops bis weit später dorthin, wo sie das Mitgenommene hinnehmen. Abgesehen von dieser überlegten Erzählweise und der oft gebotenen Situationskomik, die sich im Ausprobieren von erst fremdem Bewegungsvokabular ergibt, bietet der Film Einblick in Überlegungen der einzelnen Frauen zu Geschlechter-Stereotypen.

Für den Verlauf von einer Woche basteln und bauen sie an einer Männer Figur. Mit Kleidung, Bart, Stimme, Gang und Penis in der Hose wird da auf spielerische Art und Weise etwas Neues ausprobiert. Torr, die den Workshop unter anderem als ihre Männer Figur Danny King leitet (der hat übrigens eine schauderhafte Ähnlichkeit mit Donald Trump), bringt viele der hinter dem Spiel stehenden Diskurse schlagkräftig auf den Punkt. Ein bisschen geht es darum zu sagen, dass wir nicht als Männer geboren werden, sondern uns als solche verhalten können. Torr geht davon aus, dass wir alle polymorph sind, und deshalb auch alles ausprobieren und anwenden können, was die Welt so an Verhaltensweisen hergibt. Gender ist in diesem Zusammenhang nichts anderes als eine stete Wiederholung von Gesten. Und wenn wir eh schon die ganze Zeit performen, warum dann nicht unser Vokabular erweitern?

Der nächste und dann nämlich schon vorletzte Programmpunkt im Rahmen vom Love Me Gender Festival wird genau hierbei andocken. Am Samstag findet um 15:00 der Workshop „Irrritate me! oder Mach nicht so ein Theater“ unter der Leitung von Katrin Ackerl Konstantin statt. Am selben Abend dann geht es um 20:00 los mit dem Konzert von Bernadette la Hengst, mit dem das Festival enden wird. Wir sehen uns dann also dort!


Salzgeber & Co