Kosmos Theater

Und dann: K wie Kafka


von Theresa Luise Gindlstrasser

Und schon wieder gibt es einen K. Einen Josef K. dieses Mal. Also eine Franz Kafka Figur. Den Josef K., der im Romanfragment Der Prozess in eine namenlose und undurchdringliche Strafsache verwickelt wird. Den gibt es als Schauspielerin Katrin Ackerl Konstantin in Ute Liepolds Textfassung und Inszenierung von eben diesem unvollendeten Roman. Wobei es dabei Ackerl Konstantin in vielen vielen Rollen und Kostümen als Video-Projektion gibt. Und die Schauspielerin als K. deshalb ständig nur mit sich selbst konfrontiert ist, mit sich selbst als Gericht, als Nachbarin, als Prügler.

Milena Jesenská, die erste Übersetzerin von Kafkas Texten ins Tschechische, hat mal geschrieben: „Er [gemeint ist „Der Prozess“] gehört zu den Büchern, die nach der Lektüre den Eindruck einer total erfaßten Welt hinterlassen so daß man kein einziges Wort hinzuzufügen braucht.“ Dem würde Liepold als Arrangeurin des Abends wahrscheinlich zustimmen. Ist doch die Inszenierung vor allem eine Lesung in verteilten Rollen. Durch die Verortung der gesamten Handlung in einen Bühnenbau von Karla Fehlenberg hinein, entsteht mit den Videos von Philip Kandler eine wohl durchdachte Selbstbespielung von Josef K.

„Jeder Satz spricht: deute mich, und keiner will es dulden.“ - Hat nicht Jesenská, sondern Theodor W. Adorno über Kafka geäußert. Die Gleichzeitigkeit von Zugänglichkeit und Hermetik von Kafkas Sätzen ist etwas wahnsinnig reizvolles. Bei der Produktion, die in der Neuen Bühne Villach Premiere hatte, bleibt die sprachliche Erzählung bei ihren nachvollziehbaren Geschehnissen. Die weitreichende Tiefe der Sätze auszuloten, überlässt sie dem Publikum. „Jeder Satz spricht: deute mich, und keiner will es dulden.“ - Das meint die Einladung und Verweigerung gegenüber den Lesenden, in diesem Falle gegenüber dem Publikum. Und ähnelt damit der Situation mit der sich Josef K. konfrontiert sieht. Das Gericht zwingt ihn in einen Prozess hinein, verwehrt ihm allerdings alles Wissen, alle Zusammenhänge über eben diesen Prozess. Und K. stirbt am Ende, „wie ein Hund“, wer wollte dieses Dulden eines dubiosen Urteils deuten?