Kosmos Theater

K wie keinesfalls, nicht mit mir!


von Theresa Luise Gindlstrasser

„Wusstest Du warum es die Anarchie so schwer hat sich durchzusetzen?“
- hat mich mein Kollege Johannes Sigmund am Ende seines Beitrags zum „Fremde Torten im falschen Paradies“-Abend von Les Reines Prochaines gefragt.
Ja, warum eigentlich?

Wahrscheinlich weil, und damit komme ich zum zweiten Programmpunkt des Love Me Gender Festivals, weil sich der „corpus socialis“, also der Gesellschaftskörper, als ein männlicher, reglementierter und imperialistischer versteht und also alles anarchische, gefühlige und weibliche als noch nicht ganz eigentlich menschlich abschätzig verwirft. So zumindest K.
K ist Schriftstellerin, das steht im Programmheft, K ist die einzig sprechende Figur in „Maha Karuna oder We are NOT part of my Liebesleben“ von Theater KreisQuadratur. Neben K gibt es noch die stumme, im schwarzen Morphsuit verschwundene Figur, die in unregelmäßigen Abständen olfaktorisch unangenehme, ästhetisch ansprechende Speisen präsentiert.

Der Text von Tanja Peball oszilliert. Eine letzte Nacht vor dem Suizid, eine Frau, die mit sich selber um sich selber ringt. Weil, wenn sie in Beziehung mit jemand anderen treten will, in eine sogenannte Liebesbeziehung nämlich, dann wirft sich ihr der Dreck von viel, viel hundert Jahren Patriarchat und Kapitalismus entgegen. Weil, und das ist nämlich das Perfide, ihre Rolle wurde ihr immer schon von woanders her zugewiesen. Versteht sie sich als anarchisch und gefühlig, passt sie in die patriarchale Struktur. Versucht sie sich als reglementiert und imperialistisch, passt sie auch wieder rein. Deshalb steht K dann da, spricht sich in die eine, in die andere Richtung, will mit jemandem eine Liebesbeziehung eingehen und will mit niemandem und keinesfalls eine solche eingehen, weil dann alsbald der ganze Dreck sich über sie ergießt und K also in eine große Handlungsunfähigkeit verlegt.

K ist Katrin Grumeth. Die Schauspielerin füllt den großen, fast leeren Raum mit ihrer dubiosen Präsenz. Schlafwandlerisch kippt sie von einer Stimmung in die nächste, gerade noch alles im Griff, ein verführerisches Lächeln um die Lippen, wird dann alles zu viel, scheu und sachte tapst und taumelt sie. Der nicht immer ganz nachvollziehbare Textfluss kommt ihr wie von selbst, selbst aus der Wiederholung von so sinnfreien Worten wie „Eisvogel Küken du“ baut sie mächtige Stimmungen. Michael Renath setzt bei Inszenierung und Musik auf große Atmosphären. All das konterkariert die reduzierte Bühne von Hanno Fröhlich ausgesprochen geschmackvoll. Ein anarchischer Abend, keine logischen Erzählstränge, aber viel gelungenes Bild- und Tontheater.